Tine Haubner Teil 1 - Die Düsternis der Spätmoderne und ihrer Körper (S5E5.1)
Shownotes
Wir haben Arbeits- und Ungleichheitsforscherin Tine Haubner zu Gast, die sich auch mit ländlicher Armut befasst hat und Juniorprofessorin an der Universität Bielefeld ist. Sie bringt uns ganz herausragende Musik von Postpunk bis Country mit. Dabei geht es um Themen, wie Düsternis, Baseballschlägerjahre, zur Schau Stellung von psychischen Krankheiten, Tod und Körper und das Pflegen in der Gesellschaft. Wir sprechen über Verantwortung in der empirischen Forschung, den Zustand des bundesdeutschen Gesundheitssystems und die Bedeutung von Ungleichheit in diesem Bereich. Der zweite Teil des Gesprächs mit Tine folgt in einigen Tagen.
Songs in dieser Folge:
- Joy Division "Atrocity Exhibition"
- Nomeansno "Body Bag"
- Patty Loveless "You'll never leave Harlan Alive"
Relevante Links aus der Folge:
- das Buch "Punk as Fuck"
- das Musikvideo zu Patty Loveless mit dem gesprochenen Intro und dem Kommentar des Users
- Wikipedia-Artikel zu Patty Loveless
- Homepage von Leif Jensen an der Penn State, den Tine erwähnt
Moderation: André Knabe und Daniel Kubiak
Transkript anzeigen
00:00:00: damals, als sie gesagt haben, wir wollen eigentlich dieses Zornige, dieses ganz aggressive Empfang, das wollen wir hinter uns lassen.
00:00:06: Uns geht es schon eher ein bisschen um was Subtileres.
00:00:09: Wir wollen, es war ein bisschen intellektueller, könnte man sagen, der Postpunk.
00:00:13: Und Joy Division, finde ich, ist eine dieser Bands, die diese, also einerseits zwar auch eine morbide Faszination mit der, man kann ja fast sagen spätmodernen Gesellschaft transportieren, aber irgendwie eben auch eine Düsternis.
00:00:28: eine Form von Verzweiflung, die aber jetzt nicht so vollkommen abgründig und fatalistisch und handlungsunfähig ist, sondern eine vergrübelte Form der Verzweiflung und Introspektion.
00:00:41: Und ich glaube, das spricht unfassbar viele, vor allem junge Leute immer noch an.
00:00:48: Hallo und herzlich willkommen
00:00:49: bei der neuen Folge von New Seasysology
00:00:51: im neuen
00:00:52: Jahr, im Jahr im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr,
00:00:58: im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im
00:01:00: Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im
00:01:01: Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, Ich, es ist Daniel, der hier sich kurz aus dem Schnittraum meldet.
00:01:18: Denn ihr werdet gleich erfahren, wer unser Gast ist und worum es in der Folge geht.
00:01:21: Dazu sagen wir gleich ganz viel mehr.
00:01:23: Es ist eine sehr lange Folge geworden und deswegen werden wir die Folge einfach in zwei Teile teilen.
00:01:27: Das heißt, ihr hört jetzt den ersten Teil und in ein paar Tagen kommt dann der zweite Teil raus mit unserem Gast Tina Hauptner, aber dazu gleich mehr.
00:01:36: Was wir, glaube ich, zum ersten Mal auch tun wollen, ist euch da auch hinzuweisen, dass es in dieser Folge um sehr viele Themen gehen wird, die schwierig zu verdauen sind.
00:01:47: Also es geht um Femizide, um sexuelle Gewalt, es geht um psychische Traumata, es geht um zur Saustellung von Krankheit und auch Kondensismus, Rassismus und Gewalt.
00:02:02: Das heißt, wenn ihr bei diesen Themen getriggert seid, dann hört die Folge vielleicht mit jemandem zusammen oder hört sie nicht oder hört sie in einem Umfeld, in dem ihr euch wohlfühlt.
00:02:12: Also das ist ein kleiner Hinweis.
00:02:14: Das wird sowohl diese Folge betreffen als auch die kommende Folge.
00:02:17: Kleiner Hinweis hier.
00:02:18: Und jetzt wünschen wir euch ganz viel interessante Einblicke mit unserer Folge mit Tina Hauptner, die jetzt startet.
00:02:29: Folge vier unserer Staffel Stadtland Raum.
00:02:34: Wir nehmen diese Folge, Redaktionsschutz für diese Folge ist der siebzehnte zwölf.
00:02:38: Das ist glaube ich mal ganz wichtig zu sagen, weil es kann noch richtig viel passieren und das konnten wir jetzt nicht mit aufnehmen.
00:02:45: und wir Genau, ihr hört uns jetzt im neuen Jahr, aber wir sind jetzt noch mal alten Jahr, das ist einfach nur so.
00:02:52: zur Info.
00:02:53: Das heißt, die Silvester-Krawalle in Berlin-Neukölln können wir leider hier nicht thematisieren, all diese Dinge können wir nicht aufnehmen.
00:03:00: Wir, dieser Podcast, funktioniert so, dass hier immer zwei Leute ihn moderieren, und das bin einmal ich, Daniel Kubiak und mein... Lieblings Co-host.
00:03:11: Ja, Andre Knabe, hallo.
00:03:15: Der sitzt in Rostock und ich sitze in Brandenburg.
00:03:18: und dieser Podcast funktioniert so, wir laden uns Sozialwissenschaftler innen ein, die Bräuchten bringen uns Songs mit und an der Songs reden wir über deren Forschung.
00:03:30: Und bevor wir gleich unseren Gast vorstellen, will ich einmal nur ganz kurz Danke sagen.
00:03:33: Es ist nämlich so, dass, wenn dieser Podcast rauskommt, sehr wahrscheinlich wir über Zehntausend Hörerinnen hatten mit allen unseren Folgen zusammen.
00:03:42: Und wir haben ja auch schon mal darüber gesprochen, dass wir fast alle Länder voll haben.
00:03:46: Also wir haben so eine Karte, wo ein Land, in dem wir schon mal abgerufen wurden, rot ist.
00:03:53: Und es fehlt tatsächlich nur noch China, Nordkorea.
00:03:56: Und ein paar Länder in der Sub-Sahara, aber sonst sind wir tatsächlich fast allen Ländern der Erde schon mal gehört worden.
00:04:04: Und der zweitmeiste Land, in dem wir am zweitmeisten gehört wohnen, sind die Vereinigten Staaten von Amerika.
00:04:09: Also wir bringen Wissenschaftsfreiheit in die USA mit unserem Podcast.
00:04:18: Aber genau, vielen Dank.
00:04:18: Zehntausend Türen, das ist schon eine ziemlich coole Sache, oder André?
00:04:21: Das ist echt cool.
00:04:22: Ich bin jetzt ganz aus dem Häuschen, wie das sich zusammensummiert hat.
00:04:29: Kann man das gar nicht forschen?
00:04:30: Ich dachte ja immer schon, du hast ja irgendwann mal gesagt, wir haben so eine Folge, die haben am Anfang, weiß ich, hundertfünfzig Leute gehört.
00:04:35: Dann dachte ich, das ist ja fast mehr als ich kenne.
00:04:38: Ist ja verrückt.
00:04:39: Es ist auf jeden Fall mehr als so eine Vorlesung.
00:04:43: Und es ist sehr wahrscheinlich mehr als so ein Artikel in so einem Fachjournal an LehrzerInnen bekommt.
00:04:50: Ja.
00:04:51: So, aber ich muss dich jetzt leider unterbrechen mit deiner sehr technischen Vorrede und den Statistiken, weil ich bin total aufgeregt.
00:05:01: Ich würde fast behaupten, auch wenn ich die anderen Gäste alle sehr, sehr lieb hatte, aber so gute Musik wie heute hat mir, glaube ich, noch nie.
00:05:08: Und das Verrückte ist, ich kannte das meiste davon überhaupt gar nicht.
00:05:15: Ich bin völlig überrascht worden.
00:05:18: Unser Gast hat meinen Geschmack auf jeden Fall schon mal zu hundertfünfzig Prozent getroffen.
00:05:22: Ich bin völlig begeistert.
00:05:24: Und
00:05:27: das, obwohl der Gast aus Bielefeld kommt.
00:05:29: Und das, obwohl der Gast aus Bielefeld kommt?
00:05:31: Wenn
00:05:31: es dort ranzitzt.
00:05:34: Wir müssen Sie jetzt mal vorstellen, Anri.
00:05:35: Ja,
00:05:35: wir müssen Sie jetzt mal vorstellen.
00:05:39: Ich bin nämlich nicht nur Fan von ihrer Musik, sondern das wusste ich bis dahin ja noch gar nicht, dass sie so einen guten Musikgeschmack hat, sondern vor allem auch von ihrer Forschung.
00:05:47: Hallo Tine, Tine Hauptmann ist bei uns zu Gast.
00:05:49: Hallo.
00:05:51: Hallo Tine und du bist Juniorprofessorin für qualitative Methoden an der Fakultät für Geisteswissenschaften an der Universität.
00:05:58: Bielefeld, richtig?
00:06:00: Gesundheitswissenschaften.
00:06:01: Gesundheits?
00:06:02: Ich habe es mit GW abgekürzt.
00:06:05: Genau, Gesundheitswissenschaften.
00:06:07: Und da hast du Methoden, Leerstuhl, für qualitative Methoden.
00:06:11: Da kommen bestimmt noch mal drauf zurück.
00:06:13: Deine Station vor Bielefeld waren Jena, Pennsylvania und Chemnitz.
00:06:18: Ich kenne jetzt taucht auch immer wieder mal ein Podcast auf, finde ich interessant.
00:06:24: Und dann habe ich noch so ein paar Highlights rausgesucht.
00:06:26: Du hast den Dissertationspreis der DGS gewonnen, zwei Tausend Achtzehn, paar Jahre her zu deiner Diss zum Thema die Ausbeutung der sorgenden Gemeinschaft und da ging es um Leinenpflege.
00:06:39: Darüber möchte ich auch unbedingt noch sprechen, das finde ich interessant.
00:06:45: Passt auch zu dem, was du bis heute machst.
00:06:47: Deine Themen sind Sorge und Kehr und auch so was wie bezahlte und unbezahlte Arbeit, Erwerbstätigkeit, Nichterwerbstätigkeit, Peripherisierung.
00:06:58: Du bist viel in ländlichen Räumen auch unterwegs.
00:07:01: Hast du ein Begriff mitgeprägt des neuen Landproletariats.
00:07:07: Ungleichheit spielt bei dir immer eine Rolle und du beschäftigst dich ganz viel mit Armut.
00:07:11: und daher kenne ich dich auch, weil ich auch selber zu Armut in städtischen und ländlichen Räumen forsche und deine Arbeiten da immer ziemlich wichtig und inspirierend finde.
00:07:22: Ja, hallo, schön, dass du da bist.
00:07:24: Ich
00:07:25: freue mich auch.
00:07:27: Ich habe ja gesagt, die Musik ist so großartig, ich würde mit dir direkt einsteigen.
00:07:31: Der erste Song, jetzt haben wir hier ... da kein Smalltalk gemacht.
00:07:34: Jetzt hatte Daniel lange geredet, dann habe ich lange geredet.
00:07:36: Jetzt kommt ein Lied, aber danach musst du reden, dann bist du auf jeden Fall dran.
00:07:40: Der erste Song ist von Joy Division, heißt Atrocity Exhibition.
00:07:44: Und Tine.
00:08:35: Tine, was hat es damit auf sich?
00:08:36: Warum hast du den mitgebracht?
00:08:37: Ja, dieser Song stammt von in den Jahren.
00:08:42: Und ich bin auf diesen Song gestoßen, als ich mit vierzehn in die Stadtbibliothek neben meiner Schule gegangen bin, nach der Schule.
00:08:52: Und das war eine sehr gute Bibliothek, weil die hatte eine feine kleine Auswahl an Schallplatten.
00:08:58: Und da habe ich dieses Plattencover der Closer gesehen, also das Journey Vision Album.
00:09:02: Closer, das ist ihr letztes Album, war sofort sozusagen vom Design angesprochen, dachte, das sieht schon mal super aus, ich höre mal rein, konnte man in der Bibliothek auch machen.
00:09:13: Und dann kommt dieser sehr, sehr ungewöhnliche erste opening track auf der closer und das ist atrocity exhibition das
00:09:20: ist
00:09:21: der opener und der hat mich einfach sofort in seinen bann gezogen.
00:09:26: ich habe dann auch dieses album jahrelang hoch und runter gehört.
00:09:29: jordi vision ist dann auch eine meiner lieblings bands geworden und der ist deswegen so besonders weil ich habe irgendein seltsamerweise so ein fable für opening tracks.
00:09:40: Und dieser ist aber besonders, weil der nicht so ein richtiger Opening-Track ist.
00:09:44: Also nicht nur weil ihn Kurtis, der Sänger, die ganze Zeit singt, this is the way, step inside, was irgendwie nicht so richtig eine Einladung oder ein, hey, jetzt kommen wir, sondern ist eher so ein Volk mir hinab.
00:09:57: in die Düsternis.
00:09:59: Das hat mich als Teenager der Nachwändegeneration im Osten in den Baseboard-Schlägerjahren sowas von angesprochen, dass ich dachte, ich fühl's, ich komme gerne mit.
00:10:11: Können wir das Cover einmal beschreiben?
00:10:13: Ist das das, wo so eine Figur
00:10:17: sitzt?
00:10:17: Ist eigentlich eine schwarz-weiße Fotografie von dem Grabmal.
00:10:22: Genau, hat jetzt gar nicht so viel mit dem Inhalt zu tun.
00:10:26: Also würde ich jetzt sagen eher eine morbide Ästhetik, die zum Post-Punk passt, die man viel mit Joy Division damals in Verbindung gebracht hat.
00:10:35: Aber ich glaube, es hat eher einen ästhetischen Reiz.
00:10:38: Zumindest habe ich das immer so aufgefasst.
00:10:41: Ein
00:10:44: bisschen mehr den Text angeschaut, der ist auch sehr, sehr, sehr kryptisch.
00:10:50: in so einem Kommentar dazu gelesen, dass es da um die Besichtigung von psychisch erkrankten Menschen geht.
00:11:10: Also man konnte in so eine Mental Asylums gehen und sich Menschen anschauen, die aus irgendwelchen Gründen dort waren und psychisch erkrankt waren.
00:11:26: Und das war eine Unterhaltung für Privilegierte, die davon auf jeden Fall nicht betroffen waren.
00:11:35: Und das hat mich diesen Text nochmal ganz anders hören lassen und er dachte so krass, was ist da los?
00:11:44: Ich glaube, dieser Text ist, ich finde den sehr, sehr kryptisch und der gilt auch sozusagen als sehr schwer verständlich.
00:11:52: Aber auch als ein sehr poetischer Text.
00:11:54: Und ich glaube, diese Menschenzoo-Figur, die da drin ist, also dieses aus einem viktorianischen England-Schram, das
00:12:00: gibt es
00:12:00: aber auch in anderen Ländern, auch im neunzehnten Jahrhundert.
00:12:04: Wir kennen das so ein bisschen als Menschenzoo, also diese die Kuriositäten-Kabinette, die ja dann irgendwie ... sozusagen Ende des Jahrhunderts war das sehr klar, Anfang des Jahrhunderts, dann zum Beispiel auch mit Menschen mit Behinderungen und so weiter oder Menschen, die bestimmte Krankheiten hatten und so weiter.
00:12:22: Und das ist aber nur ein Element in dem Text.
00:12:24: Es geht auch um zum Beispiel Massenmörder, es geht um Krieg, es geht um Vernichtung und eigentlich ist es so ein bisschen eine kryptische Zusammenstellung der banalen Bösartigkeit und Klausamkeit der modernen Gesellschaft.
00:12:40: Ich glaube, es ist so ein Spektrum, was immer nur so deutisch und angeteasert wird, aber ihn gehört, es wirft sozusagen so ein paar Triggerbegriffe in den Raum, die man so mit der ganz normalen, grauenhaftig kein moderner Gesellschaften assoziiert.
00:12:58: Und das ist auch so ein bisschen das, was ich an diesem Song so mag, weil andere Songs von Joy Division sind eher düster.
00:13:05: Und der ist aber vor allem wütend.
00:13:07: Aber das auf eine sehr Joy Division Art und Weise.
00:13:11: Also es kommt nicht so mit der Faust durchs Glas, wie im Hardcore oder so oder im Punk.
00:13:16: Sondern es ist ein bisschen subtiler, aber es ist durchaus zornig.
00:13:21: Auch wenn man ihn gehört, das zuhört.
00:13:22: und das wird vor allem sozusagen verstärkt und das finde ich musikalisch so reizvoll an diesem Song, an diesem wahnsinnigen Schlagzeug.
00:13:30: Was so ein ganz einprägsam ganz... sozusagen charismatische Art zu spielen hat.
00:13:36: Deswegen ist der Text jetzt gar nicht so für mich in erster Linie, was ich jetzt so besonders wichtig finde, sondern es ist wirklich eine ästhetische Erfahrung vor allem für mich.
00:13:43: Jetzt hast du gerade gesagt, eine Beschreibung der modernen Gesellschaft, was ich daran aber jetzt spannend finde, ist, dass der Song von neunzehntachtzig ist, hast du ja schon gesagt.
00:13:52: Ich glaube, er beruht auch irgendwie auf ein Roman.
00:13:56: Ich bin weiß jetzt nicht gerade nicht ganz genau, aber auf ein noch älteres sozusagen Werk und die sind davon inspiriert.
00:14:02: Jetzt hast du gesagt, du hast es gehört, das erste Mal zu vierzehn warst und dass du nach meiner Generation bist.
00:14:07: Ich gebe Mut einmal, du bist so in den neunzigern Anfang, Ende der achtziger geboren.
00:14:11: Das heißt, du hast ihn dann das erste Mal so in den Nullerjahren anfangen, der Nullerjahr gehört.
00:14:16: Nee, tatsächlich früher.
00:14:17: Ich bin dreiundachtzig geworden und habe ihn, glaube ich, in... Ja, das war so Ende der Neunziger, als ich ihn zum ersten Mal.
00:14:25: Ich glaube, so''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''.
00:14:45: Und dann ist ja die Frage, was macht der Song heute mit uns?
00:14:48: Es ist düsterer geworden, gäbe es immer noch Grund zu wütend zu sein.
00:14:53: Auf jeden Fall.
00:14:55: Also ich finde, nicht nur das Joy Division, ich glaube, Joy Division hatten vor einigen Jahren noch mal so einen richtigen Peak, was ich sehr auffallend fand, dass auch an den Unis, die Studis, ganz viel mit Joy Division T-Shirts rumliefen, also gerade so hoch, wenn der Hipster-Szenar auch in Berlin war, Joy Division eine absolute In-Band.
00:15:15: Und das hatte schon irgendwie, auch was hatte ich das Gefühl, mit so einer morbiden Gegenwart, mit morbiden Gegenwartsbezügen zu tun.
00:15:24: Also ich glaube, es ist kein Wunder, dass Joy Division so ein Hype erlebt hat und das überhaupt.
00:15:28: Postbank, würde ich sagen, ist eine der Musikrichtungen, die auch immer noch sehr beliebt sind.
00:15:34: Wo auch viel, also wo bis heute Bands an Joy Division anknüpfen, weil die... Lebensgefühl damit zum Ausdruck bringen, war es so ein bisschen.
00:15:42: Also der Postpunk hat sich ja sozusagen vom Punk insofern auch abgegrenzt damals.
00:15:47: Als sie gesagt haben, wir wollen eigentlich dieses Zornige, dieses ganz aggressive im Punk, das wollen wir hinter uns lassen.
00:15:52: Uns geht es schon eher ein bisschen um was Subtileres.
00:15:55: Wir wollen, es war ein bisschen intellektueller könnte man sagen, der Postpunk.
00:15:59: Und Joy Division finde ich, ist eine dieser Bands, die diese, also einerseits war auch eine morbide Faszination mit der... Man kann ja fast sagen spätmodernen Gesellschaft transportieren, aber irgendwie eben auch eine Düsternis, eine Form von Verzweiflung, die aber jetzt nicht so vollkommen abgründig und fatalistisch und handlungsunfähig ist, sondern eine vergrübelte Form der Verzweiflung und Introspektion.
00:16:27: Ich glaube, das spricht unfassbar viele, vor allem junge Leute immer noch an.
00:16:31: Ja, ich sehe da auch so ein... gesellschaftliches Verhältnis, was da irgendwie verhandelt wird, also zwischen dieser Gruppe, die da betrachtet wird und denen, die betrachtet werden.
00:16:46: Ich habe es ein bisschen so gehört, als wäre es auch so, als würde Ian Curtis da auch ein Stück weit seine eigene Position mit verhandeln als Künstler, der auch sozusagen eine große Last mit sich trägt und ein großes Leiden an der Welt, das kann man irgendwie, das war noch früher, das hatte nicht mit diesem Hype zu tun, gab es so ein Biopic über ihren Curtis, so ein Kinofilm.
00:17:13: Kontroll.
00:17:14: Genau.
00:17:15: Den habe ich damals auch gesehen, er hat mich sehr beeindruckt.
00:17:20: Und genau, das ist das auch sozusagen, diese... die Kunst vielleicht auf so eine Weise betrachtet wird.
00:17:27: Also da wird so ein Leiden ausgestellt, dann finden das Leute auf eine intellektuelle Art und Weise sehr interessant und erbaulich.
00:17:37: Und gleichzeitig ist das, was dahinter steht, trotzdem ja ein echter Schmerz.
00:17:44: Absolut.
00:17:44: Ich finde, das passt auch so gut zu Joy Division.
00:17:47: Ich glaube, es war kein Zufall, glaube ich, dass ich das damals irgendwie als Teenie in den späten Neunzigerjahren im Osten... sofort so ansprechend fand, obwohl ich auch den Text am Anfang gar nicht verstanden habe.
00:17:58: Aber ich glaube, vielleicht gab es eine Parallele zwischen Jugendlichen in England, in grauen Vorstätten, aus denen auch Jodie Wischen kam, aus dem Arbeitermilieu in den achtziger Jahren, späte siebziger Jahre, ziemlich frustrierte Generationen.
00:18:14: Und wenn man sich jetzt auch ihnen köstes Leben anguckt, nicht nur, dass es überschattet war durch seine psychische Erkrankung, also nicht nur Depression, aber auch Epileptiker und so weiter.
00:18:22: Und dann sieht man, dass dieser Mensch, der unfassbar kreativ ist, der auch ganz charismatisch im Auftreten ist, wenn man ihn so in Videoaufnahmen sieht, wie er gestikuliert beim Singen und sich auf eine ganz seltsame Art und Weise auch verhält.
00:18:37: Der war halt Fallmanager in einem Jobcenter.
00:18:40: Das kann man sich heute überhaupt nicht vorstellen.
00:18:42: Ja, Ihnen gehört, das war Arbeitsvermittler in einem Arbeitsamt.
00:18:46: Und das eben auch zu einer Zeit, wo wir wissen, da war die britische Gesellschaft ähnlich wie viele Teile im Osten zu genau dieser Zeit von unglaublich hohen Arbeitslosigkeitszahlen betroffen.
00:18:57: Es war eine totale Krisenstimmung in der Gesellschaft.
00:19:00: Und irgendwie habe ich das Gefühl, das transportiert die Musik.
00:19:02: Und deswegen bild ich mir heute irgendwie ein, dass ich als Nachwende-Kid dass irgendwie gefühlt habe.
00:19:08: So eine Weise.
00:19:10: Es gibt ja gerade so ein Forschungsprojekt, wo ich damals auch an dem Antrag mitgeschrieben hatte, dass die Lausitz und Nordost England miteinander vergleichen und sich mit so Biografieforschung angucken, was die Leute über ihre Biografien erzählen, mit der These, dass das eben sehr analog funktioniert.
00:19:27: Also Deinsrealisierung.
00:19:31: Piri-Firi, also eben weit weg von London, weit weg von Berlin.
00:19:35: Und die Lausitz jetzt nicht so weit weg ist von Berlin wie Nordost-England, aber einfach trotzdem auch so, so habituell weit weg von Berlin.
00:19:44: Jetzt passt es sehr gut.
00:19:46: Wo du ja auch dann sehr gut passt, ist zu Radio Eins, zu dem Radiosender, weil die haben immer im Sommer die Top-Einhundert zu irgendwelchen Themen und fast immer gewinnen Joy DeWish, also
00:19:57: der
00:19:57: wird Bowie oder Joy DeWish.
00:19:58: Ich glaub, Joy DeWish hat schon vier oder fünf Mal.
00:20:01: Meistens mit Tears Apart.
00:20:05: Das ist fast immer der Song.
00:20:07: Also beim Liebesliedern hat dann dieser Song gewonnen.
00:20:10: Aber ich will Tine unbedingt noch was fragen, weil wir gerade schon in die Nähe gekommen sind.
00:20:15: Du hast das mit dem Jobcenter, Job von Ian Curtis.
00:20:19: Also es ist ja eine Position, die wir auch ein Stück weit haben, indem wir uns mit Armut beschäftigen und Biografien von Menschen in Armut erheben und beforschen und Menschen in ihren Sozialräumen sozusagen und zu überlegen, was macht das mit denen, dass die sich in einem ländlichen Raum oder einem städtischen oder wie auch immer bewegen, der vielleicht wenig Ressourcen, wenig Mittel zur Verfügung steht.
00:20:43: Und trotzdem sind wir ja auch so eine... Beobachter.
00:20:47: Also ich habe so ein bisschen auch an meine eigene Rolle als Forscher gedacht, der ja auch so was macht und was immer so eine große Verantwortung ist, die man damit sich rumträgt.
00:20:57: Was macht man damit?
00:20:58: Da vertraut mir jemand seine Lebensgeschichte an.
00:21:00: Ich spreche damit jemandem.
00:21:04: Was sagst du als Methodenprofessor und qualitative Methoden dazu?
00:21:10: Ihr müsstet die Fragen ein bisschen präzisieren.
00:21:13: Geht es darum, wie man mit vertraulichen Daten umgeht?
00:21:17: Nein,
00:21:20: nicht so formell, sondern eher so... Also du forstst ja zu Armut und zu Biografien und zu Lebenswelten von Menschen in Armut und trägst dein Wissen meistens nicht... Du bringst es nicht zu den Leuten zurück, sondern sprichst da irgendwo anders drüber vielleicht.
00:21:39: vielleicht auch nicht.
00:21:40: Und genau wie ist, also irgendwie wandelt man das ja um, indem man daraus eine wissenschaftliche Analyse macht und trägt es weiter.
00:21:48: und wie macht man das?
00:21:50: ohne die Befragten zu verraten, vielleicht ist immer noch eine sehr komplexe Frage, aber ohne sich daran zu vergreifen an diesem Material, was man da hat.
00:22:03: Das ist eine verdammt schwierige Frage.
00:22:04: Ich würde ja fast sagen, man verrät, also sozusagen die Frage, ob man die Leute verrät, mit denen man Interviews führt, setzt ja so ein bisschen Klarheit darüber voraus, was ihre Interessen sind in Bezug auf diese Daten.
00:22:20: Und ich habe bei meinen Interviews eigentlich überwiegend das Gefühl, dass die Menschen auch gerne über diese Themen sprechen, auch wenn die belastend sind.
00:22:30: Und natürlich bin ich als qualitative Forscherin immer angehalten, die Interviewsituation so angenehm wie möglich zu gestalten.
00:22:37: Das ist ganz wichtig in der qualitativen Forschung.
00:22:40: Nicht nur methodologisch, strategisch, sondern auch einfach, weil es ein Akt der Höflichkeit ist und des Respekts.
00:22:46: Aber ich hatte bisher nie das Gefühl, dass es den Leuten jetzt besonders unangenehm war.
00:22:51: Auch wenn die Themen hart sind, die Themen sind unangenehm.
00:22:54: Aber darüber zu sprechen, hatte ich das Gefühl, war für viele Menschen, mit denen ich Interviews geführt habe, auch eine Form sich sichtbar zu machen, gerade weil das eben Bevölkerungsgruppen sind, über die sehr viel gesprochen wird, aber mit denen sehr selten gesprochen wird.
00:23:09: Und ich fand, das haben die Leute auch sozusagen genauso positiv zurückgespiegelt.
00:23:16: Und es ist jetzt ... Die große Frage ist dann immer, wie geht man sozusagen mit den Auswertungsergebnissen um?
00:23:23: Also zeigt man die zum Beispiel den InterviewpartnerInnen oder so.
00:23:27: Und ich finde, man sollte sich dagegen nicht versperren, wenn es Interesse gibt und die Leute sagen, ich möchte das gerne wissen, natürlich, dann sollten wir das tun in der qualitativen Forschung.
00:23:35: Aber ich presche damit sozusagen nicht vor.
00:23:39: Weil wissenschaftliche Auswertungen, das, was mir die Menschen erzählen, sind sozusagen ein stark vermitteltes Verhältnis.
00:23:47: damit muss man auch ein bisschen vorsichtig umgehen, weil solche Auswertungen von qualitativen Daten natürlich auch bestimmte Informationen sozusagen preisgeben, die auch für die Interviewpartnerinnen nicht immer angenehm sind.
00:23:58: natürlich, wenn es da viel um Scham geht im Zug auf Armut und so weiter.
00:24:03: Aber da wir das ja sozusagen hoch anonymisiert machen, sozusagen sehr datenschutzsensible, geht es mir vor allem darum, auf bestimmte soziale Probleme damit hinzuweisen.
00:24:14: Und gerade, wenn wir uns so gegenwärtige Armutsdiskurse angucken in Deutschland, habe ich seit Jahren steigend zunehmend das Gefühl, dass das sehr, sehr wichtig ist, über Armut zu sprechen.
00:24:23: Auf jeden Fall.
00:24:24: Das sehe ich ganz genauso.
00:24:28: Und ich würde noch anschließen, da wirst du wahrscheinlich mir auch zustimmen.
00:24:33: Also das ist quasi kein... keine Zielgruppe wie jede andere irgendwie.
00:24:39: Und damit diese Arbeit zu machen, geht eine gewisse Verantwortung eine her.
00:24:44: Und ich habe immer den Eindruck, wenn ich so Presseanfragen kriege oder so, fühle ich mich noch mal mehr als andere verpflichtet, die zu beantworten.
00:24:52: Gerade weil dieser Diskurs so ist, wie er ist.
00:24:55: Und dazu Stellung zu nehmen.
00:24:57: Da denke ich, das ist meine Möglichkeit, die ich habe als Forscher, diese Perspektiven in den Diskurs überhaupt einzuspeisen und zu sagen, ihr könnt den faulen Arbeitslösen so lange bemühen, wie ihr wollt, ich habe ihn nicht getroffen.
00:25:13: Das ist einfach Unsinn und das wird je näher man an der Person ranzoomt, dass du mehr zerfälltest irgendwie und das kann man irgendwie gar nicht oft genug sagen.
00:25:23: Und ich zwing mich dann dazu auch zu sagen, okay, ich habe hier irgendwie eine volle Woche, das passt eigentlich gar nicht rein, aber das ist irgendwie wichtig.
00:25:28: Und das ist nicht wie bei anderen Forschungen, wo ich sage, na gut, jetzt habe ich irgendwann mal genug dazu geforscht, jetzt bin ich für was anderes Experte, jetzt ist auch mal gut, sondern solange diese Position im Diskurs nicht vertreten ist, muss man da dranbleiben irgendwie.
00:25:47: Das finde ich auch.
00:25:51: Ähm ...
00:25:55: Wollt ihr mal
00:25:56: zum Song gehen?
00:25:57: Ich glaub, wir kommen immer wieder auf diese Themen zurück.
00:26:00: Aber jetzt gehen wir in die USA, und von da kommen wir nicht mehr zurück.
00:26:03: Jetzt waren wir in England kurz, und jetzt geht's nach Kalifornien.
00:26:08: Und jetzt wird's wirklich punkig, würde ich sagen.
00:26:12: Ähm ... Ja, also, der nächste Song ist ... Ja, Kalifornia-Punk.
00:26:17: No means no.
00:26:18: Kanadisch.
00:26:19: Kanada?
00:26:20: Eigentlich?
00:26:21: Ja,
00:26:22: ich dachte ursprünglich Kalifornien und dann nach Kanada gegangen, aber vielleicht auch anders.
00:26:28: Das kann sein, das kann sein, ja.
00:26:30: Und es gab irgendwie auch mal eine Verbindung zu Yellow Biafra zu den Dead Kennedys, dadurch kam ich irgendwie darauf.
00:26:36: Auf jeden Fall hören wir jetzt No Means No mit Body Back.
00:27:40: Während der Song lief, habe ich nochmal kurz recherchiert und in Wikipedia steht, A Canadian Punk Rock Band, formed in Victoria, British Columbia, and later relocated to Vancouver.
00:27:52: André.
00:27:54: Also, wo jetzt Kalifornia Punk herkommt.
00:27:57: Okay, wahrscheinlich vom Sound.
00:27:59: Aber Tine wusste, warum sie ihn mitbringt.
00:28:01: Warum?
00:28:03: Ja, das ist ... Also, ich finde, No Means No ist sowieso eine absolute Ausnahme-Punk Band.
00:28:11: Ich bin gar nicht so der große Punk-Fan, aber No Means No liebe ich wirklich abgöttisch.
00:28:16: Und das ist ein rein ästhetisches Urteil.
00:28:19: Interessenlosen Wohlgefallen, weil die eine solche Spielfreude an den Tag legen.
00:28:24: Die sind stark vom Jazz beeinflusst, das merkt man auch.
00:28:27: Und nicht nur vom Jazz, sondern auch vom Hardcore und vom Punk.
00:28:30: Und diese Mischung ist total aufregend bei No Mids No.
00:28:33: Also die beiden Brüder sind ja sozusagen die zwei Wright-Brüder, die Sänger sind und auch beide zusammen singen.
00:28:42: Und nicht nur der Gesang.
00:28:45: ist total ungewöhnlich für Punk, sondern auch, wie sie Gitarre spielen, wie das Schlagzeug funktioniert.
00:28:51: Es ist total verfriggelt, würde man sagen.
00:28:53: Die Texte sind auch sehr berühmt geworden.
00:28:55: Niemand weiß so richtig, was man mit den Texten machen soll.
00:28:57: Sie gelten irgendwie auch als lyrisch, aber auch als schwer greifbar.
00:29:01: Das habt ihr bestimmt auch gesehen bei Bodybag.
00:29:03: Das ist ein sehr witziger Text.
00:29:05: Bis hin zu Obstzön.
00:29:07: Ja,
00:29:08: auch Obstzön, absolut.
00:29:10: Genau.
00:29:10: Und ich finde wirklich, also dieser ganze Song ist so abwechslungsreich und macht so viel Spaß beim Zuhören, dass ich immer, wenn ich nur mich ins Neuhöre, denke ich, wenn ich jemals in meinem Leben eine Band hätte und spielen könnte, so würde ich gerne spielen können.
00:29:26: Es wird leider niemals passiert, aber ich denke immer, so würde ich gerne Musik machen
00:29:31: können.
00:29:31: Das ist ja akademischer Punkrock irgendwie.
00:29:33: Ja, total.
00:29:35: Ja, es
00:29:35: ist auch wirklich Kunst.
00:29:36: Und es ist trotzdem irgendwie authentisch.
00:29:41: Du kannst es nicht nachmachen.
00:29:42: Es ist wirklich ein Wahnsinns-Ausdruck, der da drin liegt.
00:29:46: Aber es ist auch irgendwie eine Mischung aus Könathum und das aber auch vertreten können.
00:29:50: Und das ist ja eigentlich bei Pankrock fast noch wichtiger als es zu können, dass man das transportieren kann.
00:29:56: Und da kommt eben beides zusammen, was sehr selten ist, wie vielleicht bei Iggy Pop oder so.
00:30:03: Aber, sagt man, Bodybag ist doch der Leichensack.
00:30:07: Ja, genau.
00:30:08: Und
00:30:08: der ist da auch gemeint, oder?
00:30:10: Der ist gemeint.
00:30:11: Also meine Interpretation wäre, es geht in dem Text eigentlich so ein bisschen um die Faszination am körperlichen.
00:30:19: Und das körperliche nicht nur in Bezug auf Menschen, sondern es gibt ja auch diese schöne Stelle, wo sie singen, the creatures of earth are countless and strange.
00:30:28: Also irgendwie geht es um alle creatures of der Welt.
00:30:31: Und die haben alle so ein Bodybag.
00:30:32: Und der Refrain ist ja immer, is it a womb?
00:30:35: Or is it a tomb?
00:30:36: Or is it something completely different?
00:30:39: Das ist so typisch, no means no, weil das ist so vergrübelt und gleichzeitig total satirisch.
00:30:44: Also sie machen sich ja auch permanent lustig.
00:30:45: Kannst du das übersetzen?
00:30:47: Also ist es ein Bauch oder ist es ein Grab?
00:30:52: Oder ist es etwas Vollkommen anderes?
00:30:55: Und wenn man sich den ganzen Text anguckt, geht es eigentlich immer darum.
00:30:59: Ich würde jetzt aus so einer kersoziologischen Perspektive sagen, es geht um die Kontingenz, die Hinfälligkeit des Körpers.
00:31:05: Es geht darum, dass Körperlichkeit auch was Abjektes hat.
00:31:08: Würde man jetzt psychoanalytisch sagen, mit Julia Christi war also der Körper ist auch irgendwie was Egliges sozusagen in der Kulturgeschichte.
00:31:16: Wobei ja immer die Frage ist, was wird eigentlich als eklig eingestuft?
00:31:19: Was löst bei uns Ekel aus und woran liegt das?
00:31:22: Gleichzeitig ist er unfassbar faszinierend.
00:31:25: Er ist liebedienös aufgeladen, deswegen die obszönen Textstellen.
00:31:28: wo es ja quasi eine fast eine hymnische Anrufung an das Schöne und Aufregende am Körper und so weiter ist.
00:31:35: Und gleichzeitig machen sie sich total drüber lustig, wenn dann die Kinder im Mats spielen und dann vermischt es sich im Text mit Blut.
00:31:41: Und das eigentlich geht es, ich würde sagen, um das Abjekte, um die Hinfälligkeit des Körpers, die Faszination am körperlichen und seiner Eigensinnigkeit.
00:31:50: Und das ist sehr, sehr lustig.
00:31:54: Was ich noch reingelesen habe, ist aber auch dieses nobody knows you and nobody wants to.
00:31:59: Also, dass es eben auch darum geht, dass egal was du in deinem Leben gemacht hast, am Ende ist für uns alle auf gleiche Art und Weise Schluss.
00:32:05: Ganz genau.
00:32:07: Das erinnert mich total an einen anderen.
00:32:09: Das ist jetzt mein Song, als ich dreizehn war, nämlich die Grabrede von Subway to Sally, wo sie immer singen.
00:32:17: Also alle möglichen Jobs aufziehen und dann sagen, du nimmst nichts mit.
00:32:23: Und das steckt ja da auch so ähnlich drin.
00:32:25: Also wir können irgendwie ganz viel gewesen sein, aber am Ende sind wir dann doch alle gleich.
00:32:28: Nämlich einfach Corporal Flesh in einer Body-Back, also im gleichen Zeitpunkt.
00:32:38: Ja, es ist fast.
00:32:40: So was, so ein bisschen, vielleicht ein bisschen überinterpretiert, aber da ist fast so ein Body Positivity Gedanke drin, wie man es heute so sagt.
00:32:49: Es ist einfach die Freude am Körper und auch an seinen Absurditäten.
00:32:53: Ja, ganz
00:32:54: genau.
00:32:55: Also wirklich auch an der absurden Körperlichkeit und nicht an einem Körper nach irgendeiner bestimmten Maß oder so, sondern...
00:33:02: Wissen wir, ob einer der Bandmitglieder Leichenbestatter vielleicht sogar war im richtigen Leben?
00:33:09: Wie kommst du da?
00:33:11: Das weiß ich nicht.
00:33:12: Es ist ja schon sehr gut, sehr detailgetreu auch beschrieben.
00:33:16: Also ich muss daran denken, dass es im Fußball, beim FC St.
00:33:19: Pauli gab es mal einen Fußballprofi, der danach seiner Karriere Bestatter wurde.
00:33:23: Und einfach zwanzig Jahre lang noch Menschen bestattet hat.
00:33:26: Weil es ja auch ein krasser Job ist.
00:33:28: Also es ist ja, wenn man jetzt sozusagen aus einer Perspektive von, Tile du hast gerade gesagt, Care, aber auch der Leichenbestatter.
00:33:37: letztendlich pflegt er ja auch Körper, ihn tote Körper, aber er kümmert sich darum.
00:33:42: Und das ist ja auch von dieser Seite ein interessanter Job dann auch.
00:33:45: Also die Menschen, die dafür zuständig sind, diese Körper zu entsorgen, ja doch zu entsorgen, weil letztendlich geht es ja darum, dass diese Körper aus hygienischen Gründen aus der Gesellschaft auch heraus geschafft werden und auf Friedhöfe gepackt werden oder verbrannt werden oder was auch immer.
00:33:59: Und das ist ja auch irgendwie auch ein Job, also auch ein Dienst in der Gesellschaft.
00:34:04: Es ihn frage ich ob da jemand mit Expertise diesen Song geschrieben
00:34:08: hat.
00:34:08: Ich weiß tatsächlich nicht, es gibt einen Song von No Means No, der ist fast noch kolossaler als Bodybag und das ist Graveyard Shift, wo es um jemanden geht ein Sicherheitsmann, der einen Friedhof bewacht.
00:34:19: Also irgendwie gibt es einen Zusammenhang.
00:34:21: Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass No Means No sowieso ein großes Fable für die Untoten haben, für alles, was so ein bisschen zombiemäßig ist und absurd ist.
00:34:29: Das könnte auch einfach so eine Mobiderhaltung der Panker sein.
00:34:35: Ich suche jetzt gerade nach einer Brücke und ich glaube, die liegt gerade schon ausgebreitet da.
00:34:39: Nee, nochmal zu deinen Themen mit der vielleicht auch nicht bezahlten Arbeit, Kehrarbeit, was auch immer, die Leihenpflege oder so was.
00:34:48: Welche Rolle spielt den Körper in deiner Forschung und die Sorge um Körper?
00:34:58: Was fällt dir da was ein?
00:35:00: Spielt eine riesige Rolle, spielt eine ganz zentrale Rolle.
00:35:04: Körpersoziologie hat mich auch schon immer total fasziniert.
00:35:08: Das will ich auf jeden Fall auch in den nächsten Jahren weiter fortführen, mich da gerne auch noch etwas tiefer mit beschäftigen.
00:35:14: Aber natürlich, als ich mich mit Pflegearbeit befasst habe, mit Sorgearbeit in verschiedenen Bereichen, geht es immer um die Hinfälligkeit des Körpers des menschlichen Lebens.
00:35:25: In der Pflege selbst, in der Pflegearbeit geht es um ganz ganz viele Aspekte des körperlichen, wie er sich auch sozusagen widersetzt.
00:35:33: Und das ist natürlich sozusagen jetzt aus so einer pflegeanalytischen Perspektive insofern interessant, als dass sozusagen diese Stellenweise oder teilweise Unverfügbarkeit des Körpers gerade, wenn er pflegebedürftig wird, wenn er hinfällig wird, auf der einen Seite natürlich auch ein Maßstab von von Gesellschaftskritik ist.
00:35:53: wenn man sich anguckt, wie das Pflegesystem, das Gesundheitssystem in Deutschland mit dieser Hinfälligkeit umgeht, welche Diskrepanzen sich da auftun aus strukturellen Gründen und so weiter.
00:36:04: Und natürlich, weil es auch aus einer keihetischen Perspektive immer ganz wichtig ist, sich anzugucken, was macht eigentlich sozusagen die Kondition humaner aus?
00:36:14: Also, dass wir sozusagen in einer Gesellschaft leben, in der es eigentlich um eine permanente so was wie Selbstbestimmtheit geht, um Autonomieansprüche, dass wir uns den Menschen immer als souverälen denken, also ganz klassisch sozusagen den Idealen der Aufklärung verpflichtet.
00:36:30: Und aus einer kehrethischen Perspektive, die den Körper ins Zentrum stellt, aber nicht nur den Körper, sondern natürlich geht es immer auch um psychische Bedürfnisse, die auch mit dem Körper natürlich zu tun haben, so weiter.
00:36:40: Aber da ist ein ganz anderes Menschenbild im Zentrum.
00:36:42: Da geht es wirklich darum, Menschen sind nicht einfach souverän und selbstbestimmt.
00:36:46: Wir sind immer abhängig und hochgradig abhängig in unserem ganzen Leben zu verschiedenen Phasen auf verschiedene, sozusagen schwere Grade.
00:36:56: Und wenn man dieses Menschenbild sozusagen zur Prämisse seines Denkens macht, hat man vollkommen andere Schlussfolgerungen, als wenn man sich den Menschen als in erster Linie männlich, souverän, unabhängig selbstbestimmt denkt.
00:37:11: Ja, ein bisschen Mensch als Mängelwesen auch, das immer auf andere angewiesen ist und allein gar nicht überlebensfähig ist.
00:37:20: Das mit den Mängelwesen, das ist jetzt Gehlen, das würde ich jetzt nicht so.
00:37:24: Ich bin kein großer Fan von Arnold Gehlen.
00:37:27: Das hat aber vor einem politischen Gründe.
00:37:30: Aber es ist tatsächlich, würde ich sagen, also die Kehrethik hat auch genau die Vorstellungen zu sagen.
00:37:36: Jetzt nicht unbedingt der Mensch ist ein Mängelwesen, wir können ja unfassbar viel und unsere Fürsorge... Das ist ja auch
00:37:41: schon wieder blödes Framing, also... Ja,
00:37:44: das ist so halt ganz defizitär.
00:37:46: Also die Care-Ithik hätte eine andere Perspektive, die würde sagen, dass Menschen zum Beispiel zur Fürsorge in der Lage sind, das ist auch ganz großartig.
00:37:52: Das ist eine ganz wundervolle Kompetenz, die nur leider halt hochgradig sozial ungleich, nämlich geschlechtsspezifisch organisiert ist.
00:38:01: Aber da kommen wir bestimmt auch noch zu dem Thema, aber zum Beispiel dieses Phänomen der Carrying Masculinity, also neue Männlichkeiten mit Kehr zu verbinden, ist politisch ganz wichtig, ist gesellschaftlich ganz wichtig und ist sozusagen auch analytisch hochinteressant, weil das Männlichkeit in völlig neuem Licht sozusagen darstellt.
00:38:20: Ich will noch etwas zu dem Band namen fragen.
00:38:24: Ich würde nämlich gerne wissen, ob das nicht eigentlich kulturelle Aneignung ist.
00:38:29: Weil ich hab das gelesen und sie haben tatsächlich einen diesen feministischen Slogan, no means no, den fanden sie irgendwie cool und haben daraus ihren Bandnamen gemacht.
00:38:40: Und so ein bisschen, also auch gerade wenn ich jetzt an diesen Text gucke, finde ich, dass sie nicht immer so ganz ohne Sexismus auskommt.
00:38:48: Aber vielleicht ist es auch, vielleicht bin ich da auch zu,
00:38:50: oh ja,
00:38:51: oder woke, keine Ahnung.
00:38:53: Aber genau, also da fand es einfach so als eine männliche Band diesen Slogan so.
00:38:59: Oder ist es gerade gut, weil vielleicht das Wichtigste ist, dass Männer das verstehen?
00:39:04: Ich würde schon sagen, da müsste man jetzt auch noch mal mit Experten sprechen, die sich mit No Means No noch besser auskennen als ich.
00:39:12: Aber ich fand immer gut, dass sie diesen Slogan der feministischen Bewegung übernommen haben, weil bei No Means No auch klar ist, das ist kein satirischer Bezug, die finden den Slogan gut und wichtig.
00:39:22: Und wenn man sich anschaut, dass bei No Means No zum Beispiel viele Viele Songs um das Thema häusliche Gewaltkreisen.
00:39:29: Ich kenne die Biografie der Bands zu wenig, aber die Vermutung liegt nahe, dass die beiden Wright-Brüder mit einem sehr gewalttätigen Vater aufgewachsen sind, der in verschiedenen Songs thematisiert wird.
00:39:39: Und deswegen würde ich Ihnen das total sozusagen abnehmen.
00:39:42: Das ist eine ganz authentische Solidarisierung mit diesem Slogan.
00:39:46: Und da habe ich als Feministin auch gar kein Problem damit, wenn das auch Männer hat.
00:39:50: Tatsächlich war ich mal bei einer Lesung.
00:39:51: Mir fällt aber gerade der Titel des Namens des Buches nicht einer.
00:39:54: Wir packen uns in die Show Notes.
00:39:55: Ich war hier in Bernau mal bei einer Lesung von so Leuten, die in der Pank Szene lang aktiv sind, flinter Personen, die ein Buch, ein Sammelband doch übergeschrieben haben, über Sexismus in der Pank Szene.
00:40:07: über Technikerinnen, die nicht ernst genommen wären, über diese mendig dominierten Bands, über sehr viel Übergriffigkeit zwischen Publikum und Band.
00:40:16: Es war eine sehr spannende Lesung, es ist ein sehr gutes Buch.
00:40:20: Und spannend war dann, dass dann jemand sich aus dem Publikum, also der hat sich da anderthalb Stunden angehört, dass flinter Personen davon erzählt haben, dass ihre sexistischen Erfahrungen sie erst selber ganz lange gar nicht selber gar nicht verstanden haben, dass das ein Problem ist, wieder mit ihnen umgegangen wird.
00:40:36: Und dass sie jetzt dieses Buch gemacht haben, um zu sagen, hey, da ist was falsch, wir müssen Dinge ändern in der Szene.
00:40:41: Und das ist ganz lange nicht verstanden worden.
00:40:43: und so langsam wird es aber auch in der Punk-Szene verstanden.
00:40:45: Und dann meldet es sich jemand, der meinte, er kommt aus der White-Trash-Heavy-Metal-Szene und er wundert sich, dass das da überhaupt gar kein Problem ist.
00:40:56: Also wir haben auch schon mal geredet, dass Männer in der Punk-Serie nicht verstanden haben, dass das ein Problem ist.
00:41:01: Und dann weitet jemand aus der White Thresh Heavy Metal Szene, dass das bei uns ja kein Problem sei.
00:41:06: Und das war so vor zwei, drei Jahren.
00:41:08: Da muss anscheinend irgendwie viel passieren.
00:41:10: Es ist definitiv ein Problem, sowohl im Punk als auch im Metal.
00:41:14: Definitiv.
00:41:14: Das sind sehr sexistische Kulturen.
00:41:17: Kurze redaktionelle Anmerkung, Ehre, wem Ehre gebührt.
00:41:21: Das Buch heißt Punk Es Fuck und ist von Diana Ringelsieb und Ronja Szwikowski ausgegeben.
00:41:27: Genau, sehr zu empfehlen, sehr lesenswert.
00:41:30: So, jetzt wollte ich, genau, überleiten.
00:41:32: Ich wollte dir total noch mal danken, dass du mir No Means No wieder ins Gedächtnis gerufen hast.
00:41:38: Ich glaube, das wird die nächste Woche bei mir mindestens in Heavy Rotation laufen.
00:41:43: Das ist ganz gut für die Weihnachtszeit, glaube ich.
00:41:46: Was ich noch dazusagen muss, ist, ich hatte das große Glück, die zweimal live zu sehen, No Means No.
00:41:51: Und ja, in den Niederlanden und in Berlin.
00:41:54: Und damals waren sie schon, das war heranfang der zweitausender, glaube ich, oder?
00:41:58: vielleicht ja um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um so, um.
00:42:13: Betont haben und sich über sich selbst lustig machen.
00:42:16: Und es gibt ein Album von ihnen, da ist so ein Graffiti an die Wand gesprüht und da steht, how fucking old are no means no, give it up, Granddads.
00:42:24: Also die auch sozusagen permanent damit kokettiert zu sagen, wir sind total alte Säcke, wir sehen aus wie eure Opa's, aber wir machen großartige Musik.
00:42:33: Und so war auch immer die Atmosphäre bei No Means No Konzerten, die war, fand ich, für Pump-Konzerte.
00:42:39: Es ging natürlich immer ab.
00:42:40: Es gab Moshpit und so weiter, aber das war alles sehr inklusiv und eine sehr angenehme, sehr tolerante Atmosphäre.
00:42:46: Und ich fand, die Band hat dazu auch beigetragen, das genauso zu supporten.
00:42:51: Okay, also ist der Name vielleicht doch, kann man durchgehen lassen.
00:42:56: Denn es ist eine schöne Überleitung, weil du hast, also André hört jetzt die ganze Woche noch No Means No.
00:43:03: Ich höre, seitdem du uns die Songs gesendet hast, Der Song ging an.
00:43:12: You'll never leave Harlem alive.
00:43:15: Und ich war so, wow, das ist meine Musik.
00:43:18: Ich liebe
00:43:18: Blue Rays.
00:43:19: Ich liebe auch diese Gegend.
00:43:21: Ich höre das total gerne.
00:43:24: Ja, dann will ich die jetzt hören.
00:43:26: Wir können ja einfach mal reinhören.
00:44:13: Und
00:45:08: dann musst du mal sagen, warum dieser Song, aber vielleicht auch, warum die Künstlerinnen, also das interessiert mich.
00:45:16: Also jetzt finde ich erstmal total toll, Daniel, dass du Bluegrass-Fan bist.
00:45:19: Da müssen wir uns vielleicht doch noch mehr austauschen, weil ich finde das auch ganz toll und vielleicht, also bestimmt kennst du dich noch besser aus als ich.
00:45:25: Nein, da bin ich mir nicht so sicher.
00:45:27: Also dieser Song, es ist tatsächlich eher der Song und nicht Patty Loveless.
00:45:32: Also ich mag Patty Loveless sehr, sehr gerne, aber habe jetzt gar nicht so totalen, bin jetzt nicht großer Loveless-Fan, aber dieser Song ist toll.
00:45:40: You'll never leave Harlem alive.
00:45:42: Der ist eigentlich original von Darren Scott mal sozusagen, ja, geschrieben worden, ist von Patty Loveless, glaube ich, siebenundneinzig.
00:45:49: Nee, der ist siebenundneinzig von Darren Scott zum ersten Mal geschrieben worden.
00:45:53: Und das ist eine interessante Geschichte, weil es geht ja in dem Lied sozusagen um Generationen der Bergbauarbeiter in Harlan County, das ist in Kentucky.
00:46:03: Und der Darren Scott kommt selber aus diesem Milieu, war auch ein Bluegrass Country-Musicer und der war damals in Harlan County unterwegs und war auf einem Friedhof und hat die Grab in Schrift gesehen, die ihn zu diesem Song inspiriert hat.
00:46:17: Das heißt, auf diesem Grab stand eben, you'll never leave Harlem alive.
00:46:21: Und der Bezug ist halt wirklich, nachdem geht es ja im Lied immer ganz, ganz viel dieses, du verbringst dein Leben und das Leben deiner weiteren Generation, deiner Familie ist genau dadurch bestimmt, dass du von früh bis spät im Werk arbeitest.
00:46:35: Die Sonne kaum siehst, dass deine Gesundheit unglaublich davon in Mitleidenschaft gezogen wird.
00:46:40: Und was das eigentlich für ein Elend des Lebens ist.
00:46:42: Und dass du dir die ganze Zeit wünschst, dass du da rauskommst, aber du kommst da einfach nicht raus.
00:46:48: Also du verlässt Halen eigentlich nur mit den Füßen nach vorne im Grab sozusagen.
00:46:53: Und es gibt diesen allerletzten, die letzte Passage in dem Song.
00:46:58: Die erlaubt, and you spend your life digging coal from the bottom of your grave.
00:47:04: Und da steckt das alles drin.
00:47:06: Also du verbringst dein Leben damit, im Bergbau zu arbeiten und der Berg sozusagen wird eigentlich dein Grab.
00:47:13: Also ein ganz düsterer Song, der eben nicht von Patty Loveless stammt, sondern von Darren Scott.
00:47:18: und als Patty Loveless den zum ersten Mal singen sollte.
00:47:21: Sie hat selber eine biografische Beziehung dazu, weil sie aus einer Bergarbeiterfamilie kommt.
00:47:26: Und auch aus Kentucky ganz genau.
00:47:27: Und sie konnte ihn nicht singen, weil sie so angerührt war, weil sie die ganze Zeit ihren Vater im Hinterkopf hatte.
00:47:32: Bei diesem Lied, der nämlich auch Bergarbeiter war, inklusive Staublunge und so weiter, ne, das volle Programm.
00:47:39: Und ihr Ehemann hatte dann eine schöne Idee und hat ihren Foto von ihrem Ehemann vorne ans Mikro geklebt und hat gesagt, Petty, du guckst einfach auf das Foto von deinem Dad und singst den Song.
00:47:47: Und dann ging's zu sagen.
00:47:50: Ja, davon spricht sie auch im Intro zu dem Song.
00:47:55: Ich habe da gar nicht so viel hinzuzufügen, außer ein Zitat, was mir entgegengesprungen ist, das ist der erste Kommentar, den man bei YouTube sehen kann unter dem Video, was du uns geschickt hast zu dem Song.
00:48:08: Und da sagt irgendein User vor vier Jahren, I am a seventy year old black man and I love this song.
00:48:14: I didn't grow up in a coal country, but I did grow up in the industrial rust belt around Cleveland, Ohio.
00:48:20: And I can hear the bittersweet sound of proud people in Klammern, black and white, who did what they had to do just to get by.
00:48:31: Das fand ich krass.
00:48:32: So einen Kommentar steht da drunter.
00:48:38: Ich finde es sowieso, dass Countrymusik wird ja sehr oft, also und ist es glaube ich auch oft, als so eher weiße rassistische Musik.
00:48:49: Konservativ.
00:48:49: Und man macht sich auch ein bisschen drüber lustig, weil es ist gewisserweise auch der Schlager der USA.
00:48:54: Und ich finde aber eigentlich, dass man dieser Musik ganz oft auch nicht gerecht wird, weil es eigentlich total viel anbietet, weil es nämlich genau dieses ganz oft dieses biografische hat.
00:49:06: Kann man sehen, wie man will.
00:49:08: Es gibt sehr viel Musik, die sehr biografisch funktioniert.
00:49:13: Es gibt ja solche Songs ganz viel, also wir hatten auch mal von Billy Joel hier ein Song dabei, den hatte Heinz Bude mitgebracht, der eigentlich so eine ganz ähnliche Geschichte erzählt, dann halt eher was im Rust Belt, also so Pizburger gegen.
00:49:27: Einer meiner absoluten Lieblingssongs ist River von Bruce Springsteen, der genau die gleiche Geschichte Down the Valley erzählt, wo man irgendwie bei siebzehn anfängt da zu arbeiten, wo schon der Vater gearbeitet hat.
00:49:41: Das finde ich total toll.
00:49:43: Dann habe ich gesehen, dass Haarlen auch eine der Gründungs- oder eine der Städte war, in der besonders früh gestreikt wurde und also die Streikpfigung da super wichtig war, was ja auch immer wieder mit erzielt.
00:49:57: Dass man für seine Arbeitsrechte auch eintreten muss und ich finde, das wird viel zu wenig auch.
00:50:02: Also meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Wissen in Deutschland darüber, dass extrem starke Gewerkschaften Anfang des ganzen Jahrhunderts auch gar nicht so unwichtig waren für dann auch Gewerkschaftsverbindungen auch in Europa.
00:50:14: Also dass die USA auch mal ein anderes Land waren.
00:50:16: Es war vielleicht auch noch ein bisschen nötiger zu streiken.
00:50:21: Und dann finde ich auch noch... Ich habe noch zwei Beziehungen dazu.
00:50:24: Das eine ist, dass ja East Kentucky, soweit ich weiß, auch die Herkunft der Familie von JD Vance ist, von dem Vizepräsidenten der USA, der dieses Buch geschrieben hat.
00:50:37: West Virginia, glaube ich.
00:50:38: Nein, ich meine auch Kentucky.
00:50:40: Ja?
00:50:41: Aber es ist ja, also Halen liegt an der Grenze zu West Virginia, deswegen sind halt die Aparlachen.
00:50:47: Und das ist diese, ist das Herbaly Elegy, ich glaube, so heißt das Buch.
00:50:53: Ich habe nur den Film geguckt und das war ja sogar ein zerliebtes Bücher von Olaf Scholz.
00:50:58: Also das ist ja noch ein Bezug, also das ist diese Gegend.
00:51:01: Da kommt der mögliche nächste Präsident der USA her, wenn man so ... So ein bisschen politischen Analystinnen glaubt.
00:51:08: Und dann aber noch ganz zum Schluss meine letzte Assoziation.
00:51:10: Ich habe so viele Assoziationen zu diesem Song.
00:51:11: Ich finde ihn so großartig.
00:51:13: Dann finde ich auch noch mal ganz spannend.
00:51:14: Patty Lafless ist eine der ersten Countrysängerin gewesen, die jetzt habe ich aber einen ganz wichtigen Preis gewonnen hat.
00:51:20: Jetzt habe ich vergessen, welchen.
00:51:22: Auf jeden Fall ist sie eine der ersten weiblichen Countrysängerin gewesen, die diesen großen Erfolg auch mit ihrer Musik haben konnte.
00:51:29: Und die andere, die mir einfällt, ist Dolly Parton, von der ich sehr großer Fan bin.
00:51:34: Und also ich finde, da ist so viel drin.
00:51:37: Also auch einfach so eine starke Frau in der Country-Szene, die dann auch noch so gute Songs macht.
00:51:43: Ja, toll.
00:51:44: So.
00:51:45: Fertig.
00:51:46: Die dann auch noch so gute Songs macht.
00:51:48: Also warum auch nicht?
00:51:53: Was ich jetzt bei ihr nicht weiß, ist inwieweit sie auch ihre Texte selber schreibt.
00:51:56: Dolly Parton hat ja so gut wie alle ihre Texte selber geschrieben und ist ja für einige absolute Welthits auch noch verantwortlich, die dann auch noch für andere Menschen wie zum Beispiel Whitney Houston dann ein Welttest produziert haben.
00:52:07: I will always love you.
00:52:09: Das weiß ich jetzt bei Patty Lafliss nicht und wie weit sie auch diese Songs selber geschrieben hat.
00:52:13: Schon auch.
00:52:14: Also dieser hier nicht, aber andere schon.
00:52:17: Aber ich bin auch ganz großer Dolly-Party-Fan.
00:52:20: Und dein eigener Bezug zu den USA, spielt dir dabei auch eine Rolle, dass du diesen Song ausgewählt hast?
00:52:25: Ich habe gesehen, du warst an der Penn State, an Pennsylvania, an der State University.
00:52:30: Genau, der Penn State in Pennsylvania, Rural Pennsylvania, da war ich in halbes Jahr für den Forschungsaufenthalt vor, ich glaube, vier Jahren.
00:52:38: Da habe ich sozusagen die Liebe zum Bluegrass fortgeführt oder intensiviert, weil die Musik spielt eine ganz große Rolle im ländlichen Pennsylvania.
00:52:45: Man hat natürlich noch viele andere Einflüsse jetzt auch durch die Amish-Communities zum Beispiel dort.
00:52:52: Ich war eben dort, um mit Soziologen, die zu Agrar, zu Land, zu sozialer Ungleichheit und Armut forschen, mich auszutauschen.
00:53:01: Das heißt, ländlicher Armut stand im Zentrum meines Forschungsaufenthaltes.
00:53:05: Ich bin mit meinem Host, dem Lev Jensen, der ein ganz großartiger Kollege.
00:53:10: Der Penn State ist der seit vielen, vielen Jahren ländlicher Armut untersucht.
00:53:13: Wir sind viel mit dem Auto rumgefahren.
00:53:16: Durch das Countie hat mir ganz viel gezeigt, um zu zeigen, so sieht ländlicher Armut sozusagen bei uns in Pennsylvania aus.
00:53:24: Und genau, dann haben wir im Auto ganz viel Musik zusammen gehört und ich habe ihm das zum Beispiel gezeigt und er ist ein ganz großer Bob Dylan Fan, hat dann viel über Bob Dylan gesprochen und so weiter.
00:53:35: Das war sehr, sehr schön.
00:53:36: Deswegen geht mein Gruß raus an Lef für eine ganz tolle Zeit.
00:53:42: Und genau, ich glaube, das hat dann auch eine Rolle gespielt, weil ich dann dort vor Ort auch mit Kollegen viel im Austausch stand, die eben in West Virginia in den Appalachen sich sozusagen die Folgen des Bergbaus anschauen.
00:53:54: Also nicht nur ökologisch, sondern vor allem in Bezug auf die Sozialstruktur, auf Armutsentwicklung und auf gesundheitliche Aspekte.
00:54:01: Und das ist, man muss schon sagen, devastating das ganze Thema.
00:54:05: Ist es einfach, Armut in den USA ist wirklich... Ein anderes, also ich war gerade in Philadelphia dieses Jahr und ich war auf der Kensington Avenue und hab halt diese fentanylabhängigen Menschen gesehen und ich rede hier nicht von fünf oder sechs, sondern rede wirklich von hunderten, die bei vierzig Grad und mehr im Schatten einfach auf der Straße dahin vegetierten.
00:54:30: und ich hab auch ländliche Armut auch in den USA gesehen, als ich bin auch durch Pennsylvania gefahren tatsächlich dieses Jahr und auch viel durch Virginia und das ist Es ist noch mein anderer Anblick, ich kann nie mehr in Berlin, habe ich diese Armut auch, aber nicht in diesem Ausmaß irgendwie.
00:54:50: Es ist zahlenmäßig nicht das Ausmaß und irgendwie gibt es doch noch sehr viel mehr Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen, ist meine Wahrnehmung.
00:54:58: Ihr seid die Armutsfraucherinnen, der sprecht mir gerne, aber ich habe auch in den Großstädten in den USA, in Detroit In Flint waren wir viel, in Denver.
00:55:10: Ja, die Menschen sind einfach dann, wenn sie Arm sind, dann richtig frisch bearmt.
00:55:18: So, hier machen wir jetzt mal einen Cut und sind an der Hälfte der Folge angelangt.
00:55:25: Und ich dachte, hier ist eigentlich auch ein ganz guter Cliffhanger.
00:55:28: Denn tatsächlich wird Tina genau auf diese Frage nochmal antworten, wie eigentlich Armut sich in Deutschland und den USA und zwischen Städten und ländlichen Raum unterscheiden.
00:55:40: und diese Antwort und noch eine ganze Menge andere gute Songs hört ihr im zweiten Teil der Folge mit Tina Hauptner.
00:55:47: Wir freuen uns wenn ihr dann wieder dabei seid.
00:55:49: Bis dann.
00:55:54: Ciao.
00:56:02: Das
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